Die ältesten Gasthäuser

  • Zu den zwei Schwertern“, einst im Haus Dr. Kienle, Rathausstraße 42; in Archivakten wird als Wirt urkundlich erstmals Johann Michael Hessenthaler genannt.

    „Zum goldenen Engel“, später Ratskeller; der neue „Engel“ entstand 1898 und kam 1935 in städtischen Besitz. Er wurde 1976 abgerissen. Im Rahmen der Innenstadtsanierung errichtete die Baugenossenschaft an dieser Stelle ein mehrstöckiges Wohn- und Geschäftshaus (Altenwohnheime) mit Gaststätte.
    Erster Wirt war der im Wehrbuch 1705/1754 zu findende Joachim Effler.

    „Zur Rose“, seit 1753 nachgewiesen, 1922 geschlossen, Mannheimerstraße 2; das von Walter Reinhardt an die Stadt verkaufte Haus wurde im Mai 1976 abgerissen, um freie Bahn zu schaffen für die Verlängerung der Karl-Marx-Straße zum Berliner Ring hin.
    Die Großmutter des Chronisten wusste zu berichten, dass sich hier die Gutsbesitzer der Umgebung und die „oberen Zehntausend“ Viernheims regelmäßig trafen. Ihren Club nannten sie „Casino“.

    „Alte Sonne“, einst in dem alten Fachwerkhaus, Ecke Weinheimerstraße / Karl-Marx-Straße; seit 1753 registriert und schon lange nach dem ersten Weltkrieg eingegangen, bis 1910 Sitz der Zigarrenfabrik Kahn/Eschelmann. Laut Hans Mayr soll der Schinderhannes einmal in der „Sonne“ übernachtet haben. Franz Haas bringt die Geschichte von den „Pferdedieben von Ramsen“ damit in Zusammenhang.

    Gasthaus „Zum Löwen“, Rathausstraße 38; laut Hans Mayr 1838 genannt; erste Konzessionsangabe
    in den Rathausakten: 1889; 1970 zugunsten eines 16stöckigen Hochhauses abgerissen.

    „Zum Schwanen“, Weinheimerstraße 54; Abzweigung der Straße „Im Wingert“; 1785 genannt, nach 1900 eingegangen und 1968 der Spitzhacke zum Opfer gefallen; Gründungslokal der Sänger-Einheit (1872). Vorher stand hier (1650) die Wirtschaft des Caspar Ziegler.

    „Zum schwarzen Adler“, einst im Anwesen Hofmann (Drehscheibe); Gleichzeitig auch Bierbrauerei; nach Franz Haas vor und um 1800 Franz Winkler (Gerichtsschreiber) Inhaber, übrigens ein Schwager zum Bürgermeister Peter Mining und des Franz Josef Ehatt, Vater der Brüder Jakob und Peter Ehatt.

    In einem Verzeichnis von 1848 sind außerdem noch folgende Wirtshäuser verzeichnet: „Zur Traube“, Luisenstraße 21, neben dem gleichnamigen späteren Gasthaus; „Hessisches Haus“, Hügelstraße 22, einst Mühle Deeg; von 1882-1888 betrieb hier Bürgermeister Pfützer (1895-1904) eine Aktienbrauerei mit dem Titel „Hoflieferant Sr. Königlichen Hoheit des Großherzogs von Hessen, Ludwig“. Der Großherzog wurde bei seinen Jagdaufenthalten im Jägerhaus mit Viernheimer Bier beliefert. Ab 1888 firmierte Pfützer als Malzfabrikant. Die Gastwirtschaft (auch „Deutsches Haus“) wurden weiterbetrieben. Das große, vom Bierbrauer Renz gepachtete Mälzereigebäude steht heute noch. Im März 1893 wurde im „Hessischen Haus“ der TV 1893 gegründet. Im erwähnten Verzeichnis werden außerdem noch das Gasthaus „Zum Eichbaum“, Wasserstraße 45, die einst als Herberge diente (Gründungslokal der „Sodalität“), und die Wirtschaft „Zum Lamm“, Weinheimerstraße 46, genannt.
    Die beiden letztgenannten Gasthäuser wären demnach die ältesten der noch heute bestehenden und danach dürfte der „Pflug“ alias Cafe Pfüzer kommen (um 1850).
    Wissenswert mag auch das Alter der bis jetzt nicht genannten älteren Gaststätten sein: 1877 „Grünes Laub“ alias „Saftladen“ und „Rendevouz“; 1878 „Anker“ bzw. „Italia“; 1885 „Goldener Stern; 1886 „Halber Mond“; 1888 „Deutscher Kaiser“ / „Schützenhof“ / „Cafe Kempf (Ochsen)“; 1890 „Brauhaus“ / „Deutsches Haus“ / „Waldschlößchen“; 1892 „Morgenstern“; 1896 „Bahnhofsgaststätte“ / „Weißes Roß“ alias „Pinte“; 1899 Deutscher Michel“; 1900 „Storchen“; 1901 „Germania“ / „Haltepunkt“ bzw, „Hessischer Hof“; 1906 „Rotes Kreuz“ alias „Split-Bar“ / Kaiserhof“; 1908 „Schwarzer Peter“; 1911 „Stadt Mannheim“; 1914 „Sonne“.